Freitag, 8. mai 2009
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22:30
Das Märchen vom "Wolf und den sieben Geisslein", das ihr sicher alle kennt, erzählt anschaulich, wie der böse Wolf seine Pfote in Mehl tunkt und
seine Stimme mit Kreide weich und sanft macht, um den kleinen Ziegen wie eine gute Muttter zu erscheinen. Er kommt als Unschuldslamm und ist doch der reissende Wolf.
Viele Menschen tauchen ihre Hände in weisses Mehl, symbolisch für die bürgerlichen Unschuld, und machen ihre rauhen Stimmen und Sitten mit etwas
Anstandskreide sanft und verführerisch! Doch innen drin wohnt der Wolf, reissend, räuberisch und hinterlistig gemein.
Das idealistische Menschenbild geht davon aus, dass der Mensch manche Fehler und Schwächen hat, aber im Kern gut und edel ist. Ist das richtig? Ist es nicht oft auch anders
herum?
Sind wir in unserem Innersten nicht verdorben und zerbrochen. Zum wirklich Guten nicht fähig, auch wenn wir uns
eine weisse Pfote und eine sanfte Art zulegen? Der Mensch ist ein Wolf, und er muss erst noch ein Lamm
werden...
von Angie
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veröffentlicht in: Geschichten
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